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1. Folge: Katzenjammer
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Idee von: unbenannt
Die drei Wörter: Katze, unheimlich, mysteriös

Typ: Krimi


Katzenjammer

 Raphael war auf der Suche. Er suchte seit Tagen nach seiner besten Freundin Sunlight.  Der Kater schlenderte durch die verschlungenen Gassen von Midtown. Dabei hatte er einen merkwürdigen, allzu vertrauten Geruch wahrgenommen. Es roch nach Tod. Und er vernahm den Geruch seiner Freundin. Und er wusste, er war ganz nah dran. Raphaels Schnurrhaare lagen eng an seinem Gesicht, der Schwanz hoch aufgerichtet.

 

Sein schwarz – weiß – braunes Fell starrte vor Schmutz. Er hatte niemanden mehr, der ihn bürstete, niemanden, der ihn kraulte. Niemanden. Er war alleine. Raphael gehörte zu den hunderten von Straßenkatern aus Midtown. Und nun war er auf der Suche nach der Quelle des Geruches. An einer Toreinfahrt lag ein Haufen von Unrat. Flaschen, Tüten, Kartons. Faules Obst lag verstreut. Raphael schnüffelte vorsichtig an dem Obst und nahm etwas davon in seine Schnauze. Es schmeckte pelzig auf seiner Zunge. Aber es war besser als zu hungern. Er gewahrte eine schwarze Plastiktüte. Erst jetzt bemerkte er, dass hieraus der starke Verwesungsgeruch herkam. Sein Schwanz peitschte aufgeregt hin und her, als er sich der Tüte näherte. Er riss die Tüte mit seiner Schnauze auf. Entsetzt schrie er auf, als der Körper einer schwarzen Katze heraus fiel. Er hatte Sunlight gefunden.
 

 Detective Nathan Wide fuhr mit seinem schwarzen Landrover auf dem Weg nach Hause. Unterwegs schaute er durch die Gassen nach dem rechten. Er liebte seinen Beruf. Das Patrouillieren auf den Gassen gehörte dabei genauso dazu, wie das Aufklären von irgendwelchen Gesetzesbrüchen. Sie waren sein Zuhause. Und auf sein Zuhause muss man achten. Eine Bewegung am Straßenrand ließ ihn innehalten. Eine gescheckte Katze zerrte an etwas, einer schwarzen Tüte. Neugierig hielt der Detective an. Da erkannte er, was die Katze da tat. Mit quietschenden reifen hielt Nathan Wide an und ging vorsichtig zu der Katze hin. Mit einem lauten „Ksch!“ wollte er sie davonjagen. Aber die Katze blickte ihn nur an und trat wenige Schritte zurück. Dabei fauchte sie leise.
 

 Detective Wide holte sich Handschuhe aus seinem Kofferraum, nahm die Tüte und holte die schwarze Katze heraus. Es war ein schönes Tier. Das Fell glänzte, die Augen sanft und liebevoll. Plötzlich spürte er einen Blick. Langsam drehte er sich um und beobachtete die gescheckte Katze. Erst jetzt fiel ihm auf, dass es ein Kater war. „Du wolltest wohl auch nicht, dass sie dort so liegt oder?“ Ein Auge des Katers blinzelte. Nathan seufzte und legte die Katze auf eine Steppdecke in seinen Kofferraum. Als er den Deckel schließen wollte, sprang der Kater mit einem großen Satz hinterher und legte sich neben die tote Katze. „Du mochtest sie wohl, was?“ Er musterte das dreckige Fell. „Sieht ganz so aus, als hättest du kein Zuhause. Na dann, komm mit. Ein Döschen Futter kann ich dir wohl besorgen.“ Wieder blinzelte der Kater. Seine Augen schienen Dankbarkeit auszustrahlen. Irgendwie unheimlich.
 

 Als Nathan die Katze begraben wollte, viel ihm etwas auf. Die Augen waren blutunterlaufen, der Hals merkwürdig geformt. Schnell untersuchte er die Katze. Mit der Sicherheit eines Fachmannes erkannte er, dass die Katze erwürgt worden war. Sie war ermordet worden. Dann fiel ihm noch etwas auf. In ihrem Ohr prangte eine Nummer: 001.
 

 Raphael beobachtete den Menschen, wie er vorsichtig Sunlight untersuchte. Der Mensch hatte schnell herausgefunden, was mit Sunlight passiert ist. Davon war der Kater sehr beeindruckt. Und er fragte sich, ob dieser Mensch ihm wohl helfen könnte. Er beschloss es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Wenn er richtig lag, könnte das alles ein Ende haben.
 

Detective Wide schaufelte den letzen Haufen Erde auf das Grab und drehte sich um. „So, kleiner Kater, hier liegt deine Freundin. Jetzt kommt der Leichenschmaus! Du bist herzlich eingeladen“ Wieder blinzelte der Kater, dann sprang er auf. Erregt begann er hin und her zu laufen. Zu ihm hin und dann wieder zum Gartentor. Hin und her. Verwirrt schüttelte Nathan den Kopf und wollte nach drinnen gehen. Da fing der Kater fürchterlich an zu maunzen, die Nachbarin streckte den Kopf aus dem Fenster. „Was soll das für ein Katzenjammer sein! Bringen sie die Katze zum Schweigen!“ Entschuldigend hob Nathan die Hände und bückte sich. Er sprach eindringlich, beruhigend, doch der Kater ließ sich nicht beruhigen. Schließlich verstand der Detective. Der Kater wollte etwas von ihm. Er sollte ihm folgen!! Durch das Gartentor. Verrückt! Dachte Nathan, schloss die Haustür und öffnete die Gartenpforte. Der Kater schoss heraus und wartete auf ihn. Sobald der Detective aufgeschlossen hatte, lief der Kater weiter. Die Botschaft war klar. Der Kater wollte ihm etwas zeigen. Detective Wide schlug kopfschüttelnd seinen Kragen hoch und stampfte hinterher. Er hoffte nur, dass keiner seiner Kollegen gerade Patrouille fuhr.  

 Eine halbe Stunde später stoppte der Kater vor einem Backsteinhaus. Die Fensterläden klapperten im leichten Wind, Unkraut wucherte auf dem Weg. Es war still. Der Kater sprang über den Zaun und verschwand durch eine Katzenklappe in der maroden Haustür. Detective Wide folgte und klopfte an die Tür. Das Echo seiner Schläge hallte durch das Haus. Er wartete einen Moment, nichts regte sich. Das Haus war leer. Er wandte sich ab, ärgerlich trat er gegen einen Kiesel, als von innen ein fürchterliches Geschrei erklang. Nathan erkannte sofort die Stimme des Katers. Was war da drinnen los? Schnell holte er sein Etui mit den Werkzeugen heraus, die man brauchte, um jede Tür zu öffnen. Mit einem lauten knarschen sprang die Tür auf. Licht fiel in das Haus. Staub bedeckte den Boden. Katzenspuren verliefen kreuz und quer darauf. Der Detective beugte sich herab und untersuchte die Spuren. Eine frische Spur führte gerade Wegs die Treppe hinauf. Langsam folgte er der Spur.
 

 Raphael schrie! Er schrie wie noch nie in seinem Leben. Angstvoll kniff er die Augen zusammen und drückte sich fest an den Boden. Er war da! Noch da! Und er sah ihn. Wo blieb der Mensch? Schritte kamen immer näher, dann hörte er ein zweites Paar Füße. Er kam! Jetzt würde alles gut werden.
 

 Detective Wide roch etwas. Und diesen Geruch kannte er. In ihm begann sich eine dunkle Vorahnung zu verbreiten. Er beeilte sich und schritt leichtfüßig nach oben. Seine Neugierde war geweckt. Was war da oben los? Der Staub dämpfte seine Schritte. Oben angekommen brauchte er einen Moment, um die ganze absurde Situation zu verstehen. Aber dann wurde ihm, mit der eines Detectives Scharfsinnigkeit, alles klar. Nathan schrie laut auf. „Stehen geblieben! Polizei!“ Er stürzte zum Fenster, aus der gerade ein Mann mittleren Alters sprang. Sein Gesicht war zerfetzt, Krallenspuren durchzogen seine Arme, seine Beine. Der Mann fiel zu Boden, blieb einen Moment liegen und rannte dann weiter. Innerhalb von wenigen Sekunden war er verschwunden.
 

 Raphael atmete erleichtert auf. Sein Herz raste. Langsam ging er zu der am Boden liegenden Frau. Ihre roten Würgemale hatten sich blau verfärbt, der Geruch der Leiche betäubte seine Sinne. Nun trat auch der Mensch heran. Sein Gesicht drückte Unglauben aus, als er zwischen der toten Frau und dem Kater hin und her blickte. Raphael schnurrte leise und strich an seinen Beinen entlang. Nun würde alles gut werden.
 

 Als Nathan die Katze aus seinem Garten ausgrub, konnte er immer noch nicht fassen, was heute passiert war. Der Lieutnant stand neben ihm und überwachte die Ausgrabungen, als wäre es ein archäologisches Fossil, was auf keinen Fall beschädigt werden durfte. Dann wurde die Katze in das DNA Labor gebracht.
 

 Eine Woche später lief Detective Wide zusammen mit Lieutnant Cahoone durch das Polizeipräsidium. „Herzlichen Glückwunsch, Wide. Dank ihrer Hilfe haben wir einen Mörder festnehmen können.“ Wide nickte. „Wissen sie, was sie getan haben…?“ Wide blieb stehen. „Die tote Katze, die ich gefunden hatte, muss den Mörder ihres Frauchens angegriffen haben. Dabei hinterließ sie die Furchen auf seinem Gesicht, die ich gesehen habe, als ich den Mann überraschte. Dabei blieben Hautfetzen unter ihren Krallen hängen. Unbedachterweise hat der Mörder aus Wut dann die Katze ermordet und weggeworfen.“ Der Lieutnant nickte. „Aber woher wussten sie, wo die Leiche lag und wie alles zusammenhängt. Detective Wide zuckte mit den Schultern. „Zufall, alles reiner Zufall.“ Misstrauisch starrte der Lieutnant ihn an. Wieder zuckte Wide mit den Schultern. Dann lachte er. „Katzen, Lieutnant, Katzen! Sie sind wirklich sehr mysteriös, nicht wahr?“ Dann ging er lachend davon.     


       


 

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