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Kapitel Eins: Erwachen im Wald
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Es roch nach feuchten Blättern, nach Morgentau und nasser Erde. Benommen öffnete Faye die Augen, es drehte sich noch alles in ihrem Kopf. Die Erinnerungen an das was passiert war, bevor sie Ohnmächtig geworden war, waren verblasst. Warum sie hier war und was sie hier wollte, wusste sie nicht mehr.

Doch so langsam nahm auch die Umgebung für sie Gestalt an, da der Nebelschleier aus ihrem Kopf verschwand.

Die dunklen Äste der Bäume mit den bereits bunt gefärbten Blättern wogten leicht im Wind hin und her, das Gras war feucht und die Luft kalt.

Sie lag da und ihr ganzer Körper schmerzte. Nicht weit von ihr entfernt lag ein größerer Stein im Schatten der dunklen Bäume.

Das erste was ihr durch den Kopf ging als sie ihn sah, war Erleichterung. In ihr machte sich das Gefühl breit, dass sie beinahe auf ihn gestürzt wäre. Langsam drehte sich Faye um und starrte in das dichte Blätterkleid der Bäume. Dann setzte sie sich nervös auf, immer noch quälte sie die Fragen was passiert und wie sie an diesen Ort gelangt war?
Der Wind wehte unheilvoll durch ihr kurzes blondes Haar und dann wurde es auf einmal vollkommen windstill. Es war als würde die Zeit auf einmal still stehen, genauso wie die Gedanken in Fayes Kopf. Schaudernd stand sie auf und blickte sich unsicher um.

Dann entdeckte sie in einem kleinen kahlen Gestrüpp ganz in ihrer Nähe eine kleine Umhängetasche. Sie hätte diese Tasche wahrscheinlich nicht bemerkt, wenn der weiße Stoff sich nicht fast strahlend von dem dunklen Blättern abgehoben hätte. Vielleicht war es ihre Tasche?
Der stellenweise löchrige und fleckige Gegenstand erweckte ihre Neugierde.

Faye zog die Tasche aus dem Gebüsch und betrachtete sie schweigend. Nach wenigen Minuten war sie zu dem Schluss gekommen, dass es ihre sein musste. Wie sonst sollte sie hier her gelangt sein, wenn nicht auf die gleiche und ungewöhnliche Art wie sie selbst.
Doch anstatt eine Antwort auf ihre Fragen in der Tasche zu finden oder auch nur einen kleinen Hinweis, fand sie nur ein paar Goldmünzen, sowie Nahrungsmittel, Brot, Käse und ein paar Waldbeeren. Ansonsten war die die Umhängetasche leer.

Nun sah Faye auch an sich herunter, an ihrer Robe klebten ein paar Blätter, Stöcke und Tannennadeln. Mit einer leichten Bewegung befreite sie ihre Robe von dem Dreck und Staub.

Was sollte sie nun tun? Sie war alleine und hatte keine Erinnerungen daran wie sie hierher gelangt war. Das Letzte an das sie sich erinnerte war ihr Aufenthalt im Schloss Aldrian.

Aldrian, Faye dachte wehmütig daran zurück, die Tore des Schlosses wurden nur alle drei Jahre geöffnet, damit das Magiertreffen, eine zehntägige Sitzung Ordensgesandter, stattfinden konnte. Der Orden hatte sie auserwählt diesem Treffen beizuwohnen. Faye versuchte sich zu erinnern, sie war von ihrem Orden nach Aldrian gebracht worden, oder war sie nie zum Schloss gelangt? Bildete sie sich das vielleicht alles nur ein?

Unsicherheit machte sich in ihr breit, ein flaues Gefühl zog ihren Magen zusammen und ihr wurde übel, auch ein wenig schwindelig.

Nach einigen Minuten fasste sie ihren Entschluss, sie wollte nach Aldrian reisen und herausfinden was sich dort zugetragen hatte, aber erst einmal musste sie herausfinden wo sie sich befand.

Am besten würde es sein, wenn sie sich auf die Suche nach einem Weg machen. Diesem könnte sie dann bis in eine Stadt folgen. Dort würde sie schon Informationen einholen können.

Ohne weiter zu überlegen ging Faye los und es dauerte auch nicht lange bis sie einen alten Pflastersteinweg erreichte. Er sah trostlos aus und könnte mal wieder repariert werden, manche Steine waren schon von Unkraut überwuchert.

Aus einem unerfindlichen Grund erinnerte es sie an ein Bild von Sherje. Es nannte sich die Parodie und handelt von der Stadt Leea, die von Fuchsmenschen angegriffen und teilweise niedergebrannt worden war.

Würde dieser Weg sie überhaupt in eine Stadt führen?

Ganz in Gedanken vertieft schwankte Faye, beinahe wäre sie über einen der vielen lockeren Pflastersteine gestolpert. Betreten schaute sie zu Boden und erblickte einen kleinen Käfer, der sich mühselig einen Weg über die Pflastersteine bahnte. Sein Panzer glänzte grünlich in dem schwachen Dämmerlicht welches im Wald herrschte. Sie hasste Käfer, schon seit sie denken konnte hatte sie eine große Abneigung gegen alle Tiere, die krabbelten und kreuchten, wie Spinnen oder Käfer, entwickelt.

Angewidert zertrat sie das wehrlose Tier. Die kleinen Beine bewegten sich noch einige Sekunden, doch dann verschwand auch das letzte Anzeichen von Leben aus ihnen. Faye lächelte, es war eine Genugtuung gewesen zu sehen wie dieses Lebewesen starb, einfach aufhörte zu existieren.


So setzte sie ihren Weg fort, jedoch dauerte es ein paar Stunden bis Faye ein kleines Dorf erreichte. Es war ein Bauerndorf, das erkannte sie sofort, denn ein unangenehmer Geruch von Tieren und frisch bestellten Feldern lag in der Luft und die Häuser waren mit einfachem Stroh gedeckt. Auch war ihr sofort klar, dass in diesem Dorf die Armut um sich griff.

Hier würde sie wohl keine Hilfe erwarten können, geschweige denn ein paar ordentliche Kleidungsstücke. Ein wenig unzufrieden ließ sie die Goldstücke in ihrer Tasche klimpern.

Am Dorfeingang stand ein älterer Mann mit grauen Haaren, er bestellte gerade seinen Garten. Faye schaute kurz zu ihm herüber und bemerkte seinen grimmigen Blick. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund fühlte sie sich dafür verantwortlich, dass es diesen Menschen so schlecht erging. Aber was hatte sie eigentlich damit zu tun, sie war nur eine Ordensgesandte.

Vorsichtig trat sie auf den Mann zu und sah ihm kurz in die Augen, in ihrem Blick lag eine Art arroganten Mitleids, aber sein Blick wich ihrem aus. Dann fragte sie ihn in ihrer üblich bestimmenden Stimmlage: "Können sie mir sagen wo ich hier bin?"

Zuerst schien er ihr nicht antworten zu wollen, doch dann sagte er mit rauer Stimme: "In Ruhre"

"Danke!", Faye hätte dieses Kaff am liebsten gleich wieder verlassen, wo war sie hier bloß gelandet, "Gut, danke! Wie komme ich von hier aus nach Schloss Aldrian?"

Noch während sie ihre Frage aussprach wusste sie, dass es nicht sehr intelligent gewesen war ihn so direkt zu fragen, denn viele Menschen hielten sich Magier und Magierinnen lieber auf Distanz oder verabscheuten sie sogar. Besonders gläubige Menschen und Anhänger der Kirche jagten förmlich Ihresgleichen, um sie vor die Anklageschrift der Inquisition zu stellen und meistens würden die Angeklagten nach einer unfairen Verhandlung auch verurteilt.

Die Strafen, die sie erwarteten waren unmenschlich, meist würden die Magier auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Allerdings gab es auch noch einige andere Möglichkeiten sich diesen Teufelsdienern zu entledigen. Zum Beispiel ließ man sie in einem mit Steinen gefüllten Sack, der ihnen an den Gliedmaßen befestigt wurde, ins Wasser gleiten. Wenn sie der schwarzen Magie bewandert waren, wurden sie von ihr in die Tiefe gezogen werden, wenn sie keine schwarz magischen Fähigkeiten besitzen, würde die Mesne, sie retten. Mesne war der heilige Engel den die Kirche anbetete, dieser Engel hatte angeblich den Menschen im Krieg gegen Dämonen und andere dunkle Kreaturen den Sieg erbracht.

Aber das glaubten auch nur diese ungebildeten Kirchenanhänger. Faye fand es lächerlich, bald würde sie in ihre Heimatstadt zurückkehren, dort gab es keine Götter und auch keinen Aberglauben.

Der Bauer verzog sein Gesicht: "Ach, auch so eine! Am besten gehen sie gleich wieder, hier werden sie keinen Frieden finden! Folgen sie einfach der Straße, so werden sie bestimmt irgendwo hingelangen!" Er wandte sich wieder seinem Garten zu.

Unhöfliches Volk, dachte Faye empört und sauer zu gleich, aber es wäre nun wirklich besser zu gehen. Diesen Fehler würde sie nicht noch einmal machen.

Da die Menschen hier ihr keine Hilfe sein würden, kehrte Faye dem Dorf wieder den Rücken zu und folgte dem Waldweg solange in die andere Richtung bis es dunkelte. Faye fröstelte. Es war Mitte Herbst, sie hasste dieses elende Bauernvolk, diese unglaublichen Nichtsnutze würden ihre Strafe schon noch erhalten, allerdings war es momentan wichtiger für sie heraus zu finden was passiert war und dann würde sie diesen Bauern schon zeigen, wie man eine Magierin behandeln sollte.

Sie sammelte ein wenig Holz zusammen, um ein Feuer zu machen. Das war einer der einfachsten Zauber die sie beherrschte. Schon als kleines Kind hatte sie, wenn sie sauer gewesen war, kleine Löcher in den Küchentisch gebrannt. Ihre Mutter hatte das nicht gestört, sie hatte dann immer nur gelächelt und gesagt: "Früh übt sich, wer hoch hinaus will." Und so war es, sie wollte hoch hinaus. Ihr Ziel war es eine große Magierin, oder sogar eine Magister zu werden.

Der Unterschied zwischen einer Magierin und einer Magister war eigentlich nur, dass die Magister in den Orden und Clans höher gestellt war und somit zu vielen Bereichen Zutritt hat, welche für Andere verschlossen blieben.

Eigentlich verlangte dieser Zauber von ihr keinerlei Konzentration, allerdings schien es heute wie verhext zu sein, sie brachte noch nicht einmal eine kleine Flamme zustande. Sauer verzog sie ihre Augen zu feinen Schlitzen. Nach einigen weiteren misslungenen Versuchen Feuer zu entzünden, gab sie schließlich auf. Fröstelnd kauerte sie sich auf dem Boden zusammen.

Gedanken quälten sie. Warum nur hatte sie keine Flamme zustande gebracht? Während sie daran dachte machte sich das Gefühl von Hilflosigkeit breit.

Der Duft von nassem Laub haftete schwer in der Luft, während Fayes Atem immer gleichmäßiger wurde.


In den frühen Morgenstunden bahnten sich dichte Nebelschleier ihren Weg über den feuchten Boden. Es hatte zu regnen und zu stürmen begonnen. Nasse Haarsträhnen klebten fransig auf Fayes Stirn, ihre Kleidung hing vollkommen durchnässt an ihr herunter.

So ein verdammtes Mistwetter!, dachte Faye erbost, Das ist allein die Schuld dieser Dorfbewohner, dieser verdammte Pöbel, wartet nur bis ich herausgefunden habe, was mit mir los ist!

Unruhig stand sie auf und schüttelte die Regentropfen aus ihren Haaren, ihre Glieder schmerzten, ihr war kalt und sie fröstelte. Am besten wäre es wenn sie sich nach einem trockeneren Ort zum schlafen umzusehen würde.

Auf einmal hörte sie Schritte und laute Stimmen.

"Hast du sie gesehen?"

"Nein. Dai, aber sie muss hier irgendwo sein!"

Die zweite Stimme kam Faye merkwürdig bekannt vor.

"Du hast Recht! Wir müssen sie schnell finden, ich mache mir Sorgen um meine kleine Schwester!", antwortete Dai.

Faye lächelte bösartig, da schien sich ja jemand Sorgen zu machen. Die zwei Männer traten auf sie zu. "Oh Ihr!", in ihrer üblichen kalten Stimmlage fragte Faye, "Sucht ihr jemanden?"

"Ja meine kleine Schwester!", Dai sah besorgt aus und strich sich die nassen braunen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Er schaute Hilfe suchend zu seinem Vater, den Faye sofort wieder erkannte. Es war der Mann vom Dorfeingang gewesen. Er verzog das Gesicht als er sie sah: "Hatte ich nicht gesagt Ihr hättet gehen sollen?" Er zog sein Schwert. Faye blieb stehen und musterte ihn schweigend, schließlich griff Dai in das Geschehen ein. Auch er hatte bis eben stumm da gestanden und seinen Vater beobachtet. "Lass gut sein, Vater!"

"Sei still Dai, diese Hexe hat gewiss etwas mit dem verschwinden von Kalifa zu tun.", murrte er zornig und wollte mit dem Schwert auf sie losgehen.

Angespannt versuchte sie ihre Angst nicht zu zeigen, hob sie den Kopf: "Kalifa? Deine Schwester?"

Der ältere Mann hielt inne und antwortete griesgrämig: "Das geht euch nichts an." "Lass das, Vater!", meinte Dai empört über das Verhalten seines Vaters.

"Hör Dai..."

"Nein!", unterbrach Dai seinen Vater schnell. Er wollte sich nicht wieder die ganzen Vorurteile über andere Menschen anhören: "Selbst wenn sie nach Aldrian möchte, muss das nicht gleich heißen das sie eine Magierin ist. Und selbst wenn, wer sagt uns, dass sie uns etwas antut!"

"Wie Recht ihr habt!", etwas wie Ironie lag in ihrer Stimme. Insgeheim wünschte sie den beiden..., doch vielleicht: " Ich könnte euch bei eurer Suche behilflich sein!" Dai nickte dankbar für die angebotene Hilfe.

"Wie schon gesagt suchen wir meine kleine Schwester, sie ist gestern mit Freunden zum Spielen in den Wald gegangen und nicht wieder nach Hause gekommen! Sie hat langes braunes Haar welches sie mit einem grünen Haarband zusammengebunden hat, sie trägt ein rotes Wollgewand. Ach ja, Kalifa ist erst acht und meistens sehr ängstlich."

"Gut wenn ich sie finde, bringe ich sie wieder zu euch zum Dorf zurück.", meinte Faye und an ihrer Stimme hörte man, dass die Unterhaltung beendet war. Ohne ein weiteres Wort mit den Beiden zu wechseln nahm sie ihre durchnässte Tasche und zog weiter.

Kalifa, würde Faye sie finden, so würde sie das kleine Mädchen bestimmt nicht zu ihrer Familie zurückbringen. Ihr schwebte da schon etwas anderes vor. Die großen Magister hatten alle Dienstmädchen. Doch zuerst musste sie das Mädchen finden.


Auf dem Weg waren durch den Platzregen viele Pfützen entstanden, aber die Wolken am Himmel lichteten sich allmählich.

 







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