Schreibfeder
Zettelbox  
  Home
  Die Autoren
  Zettel von Maruk
  Zettel von Sarah
  Flammen im Schatten
  Poetische Reise von Sarah
  Zettel von Annika
  Kleines zwischendurch
  "Raphael"
  => 1. Folge: Katzenjammer
  => 2. Folge: Drei Monate später
  => 3. Folge: Lauf Raphael!
  => 4. Folge: Snowflake
  Gästebuch
  Kontakt
Diese Seite ist Copyright © geschützt ein Bild
2. Folge: Drei Monate später
"

 

Drei Monate später

 

Detective Nathan Wide fuhr mit seinem schwarzen Landrover durch Midtown. Seine Gedanken kehrten mal wieder zu dem kleinen bunten Kater zurück, den er vor drei Monaten getroffen hatte. Das Tier hatte ihm geholfen, einen Mordfall aufzuklären. Nathan grinste. Nun ja, so gesehen hatte der Kater den Fall alleine geklärt. Nathan musste nur noch den Täter ins Gefängnis bringen. Der Kater verschwand nachdem der Fall gelöst war, Nathan sah ihn nie wieder. Auf seinen Patrouillen hielt der Detective immer Ausschau nach dem Kater. Ohne Erfolg. Seine Gedanken wurden jäh gestört, als das Funkgerät laut knisterte und die Stimme von Leutnant Cahoone erklang.

 

„Wide? Bitte kommen!“ Nathan löste das Funkgerät aus der Halterung. „Hier Wide, was gibt’s Leutnant?“ Es knisterte. „Mordfall, Clarkhain Street 274 wurde soeben gemeldet. Fahr hin!“ „Wird gemacht, Chef! Ende“ Der Landrover wendete in voller Fahrt.

 

Raphael konnte es nicht glauben. Der kalte Stahl umgab ihn, es war eng. Die kleine Zelle war vielleicht ein mal ein Katzensprung groß. Langsam legte der Kater sich hin. Seine weichen Ballen waren wieder wund, vom Gitter unter seinen Füßen. Es stank nach Fäkalien und Chemikalien. Einen wohlvertrautem Geruch. Ein Mensch kam heran. Raphael fauchte auf, er streckte die Krallen aus. Er trug einen weißen Kittel. Ein silbernes Tablett lag auf einem Wagen, den der Mann vor sich herschob. Die Gittertür zu Raphaels Gefängnis öffnete sich. Ein kleiner Napf mit Wasser wurde herein gestellt. Raphael zitterte vor Wut. Fauchend sprang er dem Kittelmann entgegen. Blitzschnell schloss das Gitter und lächelte dem Kater zu. „Sorry kleiner. Aber ein zweites mal entkommst du nicht.“ Enttäuscht wich der Kater zurück. Dann schnüffelte er an dem Wasser. Etwas war in dem Wasser drin. Es roch merkwürdig. Ohne das Wasser anzurühren drängte der Kater sich in das hinterste Eck des Käfigs und rollte sich zusammen.

 

Nathan brauchte eine halbe Stunde bis zu der angesagten Adresse. Ein Betongebäude ragte vor ihm auf, als der Detective aus dem Wagen stieg. Sicherheitshalber steckte er seine Dienstpistole in das Halfter unter seinem schwarzen Mantel. Mit leichtem Schritt lief er zum Eingang des Gebäudes. Verwundert sah Nathan sich um. Es sah aus, wie in einem Krankenhaus. Überall liefen Menschen in weißen Kitteln und mit Klemmbrettern in den Händen. Jemand sprach ihn an. „Entschuldigung, sie sind?“ Nathan drehte sich zu dem Sprechenden um. „Nathan Wide. Police Department.“ Er reichte dem fremden seine Hand. „Erfreut. Mein Name ist Doktor Frank Rosenglas.“ Sein Akzent verriet, das er deutscher war. „Sie werden bereits erwartet. Kommen sie bitte.“ Der Doktor lief los. „Entschuldigen sie, aber was ist dies für eine Einrichtung?“ Frank Rosenglas stoppte. Er schien zu überlegen. „Eine Einrichtung für Medikamentenforschung“ Dann lief er weiter. Nathan gab sich fürs erste mit der Auskunft zufrieden. Sie waren am Büro angekommen.

 

Der Mann, der Nathan Wide begrüßte, schien das reinste Nervenbündel. In seinen Händen hielt er einen Stift, den er fortlaufend im Kreis drehen lies, seine Augen zuckten ständig hin und her. Sein Name war John Carter. Wie Nathan erfuhr, war er der neue Leiter der „Einrichtung für Medikamentenforschung“ von allen kurz „EfMeFo“ genannt. Der alte Leiter der Einrichtung war ermordet worden.

 

Der Tote lag in Trakt 5. Auf den ersten Blick konnte Nathan keine Anhaltspunkte für einen Mord finden. Die Leiche trug keine sichtbaren Verletzungen. Kurz nach Wides eintreffen kam die Pathologin. Sie war eine gute Freundin von Nathan. „Kannst du eine Todesursache feststellen, Sharry?“ Die Pathologin untersuchte ebenfalls den Leichnam. Danach schüttelte sie den Kopf. „Tut mir leid, mein Süßer. Kann dir noch nichts sagen.“ Die Leiche wurde eingepackt und in die Pathologie gebracht. „Heute Abend essen gehen!“, fragte Sharry und blinzelte Nathan verführerisch an. „Warum nicht? Im „Wong Zei?“ Sharry stimmte zu und gab dem verduzten Nathan einen Kuß. Dann verschwand sie. Nathan beschloss, noch einmal mit John Carter zu reden.

„Und sie können die Todesursache noch nicht genau sagen?“ Seine Stimmer zitterte vor Anspannung. Bedauernd schüttelte der Detective den Kopf. „Ich habe noch eine Frage, Mr. Carter.“ „Mhm?“ Seine Augen wurden groß. „Als wir zum Tatort gegangen sind, mussten sie mithilfe einer Karte die Türen öffneten. Warum sind die Türen dermaßen Sicherheitsverriegelt?“ „Nun... ja.“ Der Mann suchte nach einer Antwort. „Sie sollen verhindern, dass unbefugte sich Zutritt verschaffen.“ Nathan nickte. „Ich brauche solch eine Karte. Für meine Ermittlungen versteht sich.“ John Carter stellte ihm eine Guestcard aus. Er erklärte, das diese Karte ihm Zutritt zu den Trakten 1 bis 5 verschafft. „Und die anderen Trakte?“ „Ähm... nun ja... da fragen sie einfach mich.“

 

 

Nathan verließ das Gebäude mit einem mulmigen Gefühl. Das Verhalten des neuen Leiters der Einrichtung hatte ihn stutzig gemacht. Nathan schaltete das Autoradio an, gerade lief Good day Sunshine. Der schwarze Landrover fuhr durch Midtown, das Radio drehte laut auf. Nathan trommelte freudig mit seinen Fingern auf das Lenkrad und sang laut: „...I need to laugh and when the sun is out. I've got something I can laugh about..„ Für einen Moment vergaß er den Fall im „EfMeFo.“ Zu Hause angekommen duschte Nathan sich und stieg in seine feinsten Sachen. Er striegelte sein langes Blondes Haar und trug dick Aftershave auf.

 

 

Auch Sharona Dearing, von allen nur Sharry genannt, putzte sich fein raus. Das Wong Zei war ein feines Chinesisches Restaurant am Stadtrand von Midtown. Sie hatte vorsorglich einen Tisch für zwei reservieren lassen. Als Nathan eintraf, hatte Sharry sich schon den Begrüßungstee und eine Flasche Mao Tai bestellt. Mao Tai war ein sehr teurer und edler Schnaps. Schließlich traf Nathan ein. Er setzte sich. „Na, wie gefällt dir dein Feierabend?“ Ihre Stimme klang zärtlich. Nathan lächelte. „Oh, bis jetzt war er ganz ok.“ Sharry tat entrüstet. „Nur ganz ok? Du gehst heute mit der begehrtesten Frau aus Midtown aus!“ Nathan winkte ab. „Ich habe schon schönere gesehen.“ Spielerisch schlug Sharry ihm auf die Finger. „Du böser Bub! Willst du denn wenigstens wissen, woran der Tote vom „EfMeFo“ gestorben ist?“ Sofort regte sich Nathans Interesse. „Woran?“ „Er wurde vergiftet. Mit Nathan dachte kurz nach. „Ein Schlafmittel?“ Sharry nickte. „Ein sehr wirkungsvolles. Wird zur Sterbehilfe genommen.“ „Wie wirkt es?“ „Das Atemzentrum wird gelähmt und der betroffene erleidet Tod durch ersticken.“ Nathan holte seinen Notizblock und begann zu schreiben. „Welche Menge?“ Sharry nippte an ihrem Glas. „Mal sehen, 10 bis 15 Gramm schätze ich mal.“ Nathan war zufrieden. Er hatte einen Anhaltspunkt, an den er sich richten konnte. Morgen konnte er seine Ermittlungen durchführen. Erst jetzt bemerkte er, das Sharry ihn anstarrte. „Was?“ Er packte den Block ein. „Kannst du dich nun auf unser Date konzentrieren oder bist du noch bei der Leiche?“ Nathan fasste ihre Hand. „Ich bin voll und ganz bei dir, Darling!“

 

 

Am nächsten Morgen fuhr Nathan so früh wie möglich wieder zu „EfMeFo“ zurück. Mit seiner Guestcard kam er in das Gebäude. Eilig kam John Carter auf ihn zu. Wie immer spielte er nervös mit seinen Händen. „Ähm... haben Sie schon etwas heraus gefunden?“ Nathan nickte. Schnell klärte er den Leiter der Einrichtung auf. „Nun... ähm. Nie von dem Zeug gehört. Wie hieß es doch gleich?“ „ Natrium-Pentobarbital Carter schüttelte den Kopf. Dann ging er. Nathan ging in Trakt 5 und untersuchte den Tatort. Der Mann war in dem Mitarbeiterzimmer gefunden worden. Gläser und Teller standen auf dem Tisch, auf der Theke stand eine Kaffeemaschine und eine Mikrowelle. Die Kanne war noch halb voll. Es dauerte einig Minuten, bis Nathan fertig war. Das Einzige, was er fand, war die Mitarbeiterkarte des Opfers. Nathan beschloss, die Karte wieder zu John Carter zu bringen. Die Karte musste sicher entsorgt werden. Als Nathan in den belebten Flur trat, fiel sein Blick auf die Tür zu seiner Rechten. Das Schild „Trakt 6“ prangte in großen Lettern über der Tür. Einen Moment fühlte Nathan sich hin und her gerissen. Schließlich holte er tief Luft und ging langsam und unauffällig auf die Tür zu. Niemand schien ihn zu beachten. Nathan steckte die Karte durch den Schlitz und trat ein. Summend schloss sich die Tür.

 

 

Raphael hörte das Summen der Tür und wich zitternd zurück. Der Durst war inzwischen unerträglich geworden. Doch der Kater widerstand der Versuchung das frische Wasser zu schlabbern, das vor ihm stand. Ein Mann trat heran. Raphael tat als ob er schlafen würde, bis er den Geruch des Menschen wahrnahm. Verwirrt blickte Raphael auf und blickte direkt in das erstaunte Gesicht von Nathan Wide. Voller Freude sprang der Kater auf und begann laut zu schnurren. Erregt strich Raphael an den Gitterstäben entlang. Raphael hatte den Mann nicht vergessen. Er hatte ihm geholfen, den Mörder seiner Freundin zu schnappen. Der Kater war sicher, dass auch diesmal der Mann ihm helfen würde. Dann gewahrte er wieder den Kittelmann. Sofort wich Raphael wieder zurück.

 

 

Nathan bekam den Schock seines Lebens. Er erkannte sofort den bunten Kater wieder. Vorsichtig hob er eine Hand und versuchte den Kater zu streicheln. Dieser wich in die hinterste Ecke des Käfigs zurück. „Hey, Katerchen! Erinnerst dich nicht mehr an mich?“ „Er heißt Raphael!“ Die Stimme hinter ihm ließ ihn herumfahren. Dort stand ein schwarzhaariger Mann in einem Kittel. Sein misstrauischer Blick wanderte zu der Türkarte in seiner Hand. „Wer sind sie?“ Das Schild auf seiner Brust gab ihn als Steven Young aus, Tiermediziner. „Nathan Wide, Mordkomission.“ Der Mann im Kittel nickte. „Ich bitte sie, das Labor zu verlassen.“ Der Polizist blickte zu Raphael. Wortlos drehte er sich um und verschwand wieder durch die Tür.

 

 

Raphael verlor jede Hoffnung. Zwar hatte Nathan ihn erkannt, aber helfen wollte er anscheinend nicht. Ohne jede weitere Hoffnung wich der Kater zurück und kauerte sich zusammen. Es interessierte ihn nicht mehr, das der Kittelmann die Gittertür öffnete und ihm langsam eine Spritze setzte.Dann wechselte der Mann das Wasser aus. Obwohl nun das Wasser frei von jedweder Chemikalie war, trank Raphael keinen Schluck.

 

 

Entrüstet stieß Nathan die Tür zu Caters Büro auf. „Warum sagten sie mir nicht, dass sie Tierversuche betreiben!“ John Carter schien sich nicht sehr zu wundern, dass Wide die Station gefunden hatte. „Woran soll man ansonsten Medikamente testen? Vielleicht an Ihnen?“ Angeekelt verzog Nathan das Gesicht. „Sie Bastard!“ Der Leiter der Einrichtung hatte sämtliche Unsicherheit verloren. Der plötzliche Charakterwandel irritierte Nathan. „Es tut mir leid. Suchen Sie ihren Mörder und ich kümmere mich darum, dass sie Medikamente ohne Nebenwirkungen erhalten!“ Drohend erhob Nathan seine Stimme. „Verschaukeln sie mich nicht. Ich will eine Katze aus ihrem Labor haben.“ Carter lachte. „Welche möchten sie denn haben?“ „Raphael.“ „003, Diesen Stromer? Können sie gerne haben. Das Mistvieh ist bereits schon einmal ausgebrochen. Zusammen mit 001.“ Die Zahl rief eine Erinnerung in mir wach. Die tote Katze, die Raphael gefunden hatte, trug in ihrem Ohr die Zahl 001. „Die beiden kamen aus zwei Würfen. Sie wurden vor einem Jahr geboren.“, erklärte John Carter.

 

 

Raphael glaubte, er würde träumen. Sanfte Hände hoben ihn aus dem Käfig und hielten ihn geborgen. Der Kater sog den Geruch von Nathan tief in sich ein. Dieser streichelte sein Fell. Dann spürte Raphael, wie er aus dem Haus getragen wurde. Nun würde alles wieder gut werden. Der Kater spürte es. Nach kurzer Autofahrt stieg Nathan wieder aus und nahm Raphael auf den Arm. Den Ort, den sie nun besuchten war nicht weniger vertrauenerweckend wie die Versuchsstation, aber Raphael vertraute Nathan. Er hatte den geschwächten Kater zum Tierarzt gebracht.

 

 

Doktor James Morrington untersuchte den Kater sehr gründlich. Das Tier war ausgetrocknet. Dadurch, dass der Kater nichts getrunken hatte. Der Tierarzt schloss den Kater an die Infusion und gab ihm einige Medikamente. Die ganze Zeit über streichelte Nathan über das weiche Fell und kraulte beruhigend seine Ohren. Währenddessen bereitete Morrington die nächste Behandlung vor. Ein Hund musste eingeschläfert werden. Behutsam zog der Doktor die Spritze auf. Interessiert beobachtete Nathan den Vorgang. Dann fiel sein ahnungsloser Blick auf die kleine Flasche, aus welcher der Arzt das tödliche Mittel entnahm. In breiten Buchstaben stand Natrium-Pentobarbital auf dem weißen Etikett. Nathan erstarrte, während seine Gedanken wie wild rasten. Es war ein Mittel zum einschläfern! Von Tieren! Das breite Gesicht von Steven Young tauchte vor seinem inneren Auge auf. Hatte der Doktor etwas mit dem Fall zu tun? Immerhin war er der zuständige Tierarzt in der Versuchsstation. Und als Solcher konnte er ungehindert an das Natrium-Pentobarbital heran kommen. Sobald die Behandlung von Raphael beendet war zückte Nathan sein Handy und rief Leutnant Cahoone an.

 

 

Am nächsten Tag ging es Raphael viel besser.Nathan ließ den Kater im Auto, während er mit Leutnant Cahoone im Gebäude verschwand. Es dauerte nicht lange, sie verhörten Steven Young. Den Mediziner aus der Forschungsabteilung. Schließlich gab der Mann den Mord zu. In der Mittagspause war er in den Aufenthaltsraum gegangen und hat den Leiter von hinten mit einer tödlichen Dosis Natrium-Pentobarbital getötet. Das Mordmotiv gab er ebenfalls bekannt.Er sollte seinen Job verlieren. Der ehemalige Leiter hatte ihn bei extremen Misshandlungen der Tiere erwischt, er sollte seinen Job los sein. So hatte er getötet und die Kündigungspapiere verbrannt.

 

 

Nathan und Raphael saßen im Auto und starrten noch lange dem Polizeiwagen hinter her, der Steven Young in das örtliche Gefängnis brachte. Dann blickte Nathan den bunten Kater an und kraulte sanft seine Ohren. „Willkommen in der kleinen Familie Wide.“ Der Motor sprang an und Raphael fuhr seinem neuen Zuhause entgegen.

 

ENDE


Time to read  
   
Facebook Like-Button  
   
Werbung  
  "  
Auf dieser Homepage...  
  findet ihr jede Menge an Gedichten, Kurzgeschichten, Satiren uvm. Schaut euch doch einfach mal um.

Viel Spaß beim Stöbern
 
Schickt uns Eure Storys  
  Habt Ihr eingestaubte Geschichten oder ähnliches?

Schickt uns Eure Werke und werdet Teil unserer Homepage

- unter leha_1990@live.de
 
Unser Forum  
  Wir haben jetzt ein neu eröffnetes Forum! Ihr seid herzlich eingeladen zum diskutieren, schreiben und neue Leute kennen lernen!

Eure Moderatorin

Annika
 
Insgesamt 21887 Besucher (44796 Hits) waren schon hier
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=